Volker H. Schendel – Vitamin D Research - Freier Wissenschaftsjournalist - http://www.urlaub.astrologiedhs.de/3.html



Gerhard Kienle - Leben und Werk: Bd. 1: Eine Biographie / Bd. 2: Ausgewählte Aufsätze und Vorträge: 2 Bde. [Gebundene Ausgabe]

Peter Selg (Autor)

http://www.amazon.de/Gerhard-Kienle-Biographie-Ausgewählte-Aufsätze/dp/3723511651/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1384516714&sr=1-1&keywords=peter+selg+kienle

 

Rudolf Steiner 1861 - 1925. Lebens- und Werkgeschichte. 3 Bände im Schuber

Peter Selg (Autor) - Gebundene Ausgabe: 2148 Seiten

Verlag: Ita Wegman Institut (6. Dezember 2012)

ISBN-10: 3905919273 -                       ISBN-13: 978-3905919271

http://www.amazon.de/Rudolf-Steiner-1861-Lebens--Werkgeschichte/dp/3905919273/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1384516799&sr=1-1&keywords=peter+selg

 


Grundlegend als Basisinformation (Interview) u.a. zu Elektrosmog:

Zu Gast im Studio bei vonabisw am 4. Juli 2013:

Dr. H.-Peter Neitzke

http://d.mp3vhs.de/vonabisw/imstudio/Neitzke.mp3

Hintergrund:

ECOLOG-Institut für sozial-ökologische Forschung und Bildung gGmbH

http://www.ecolog-institut.de/index.php?id=66

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IZgMF  -  Informationszentrum gegen Mobilfunk

 

http://www.izgmf.de

 

 

http://www.izgmf.de/Aktionen/Meldungen/Archiv_06/Manipulierte_Studie_2006_09_06/manipulierte_studie_2006_09_06.htm

 

Langzitat:

 

Manipulierte Studie 
für manipulierte öffentliche Meinung

Im Dauerstreit um die Gesundheitsgefährdung durch elektromagnetische Felder kommt der wissenschaftlichen Forschung eine Schlüsselrolle zu: Sie soll die Wahrheit darüber zutage fördern, ob Mobilfunk nun krank macht oder nicht. Doch wie alle Instrumente der Meinungsbildung unterliegt auch die wissenschaftliche Forschung Versuchen der Einflussnahme durch interessierte Kreise. Im Mobilfunk stehen immerhin Milliardenumsätze auf dem Spiel. Eine mit besonderer Spannung erwartete Studie war die im Sommer 2006 vorgestellte Schweizer Wiederholungsstudie der Niederländischen TNO-Studie, die 2003 mit alarmierenden Ergebnissen die Branche schockte. Die Schweizer Studie aber gab Entwarnung und neutralisiert damit die Wirkung der TNO-Studie. Jedoch: W. Kuhn, ein Kenner der Szene, wirft der Schweizer Studie gezielte Manipulation vor. Seine frappierend plausible Argumentation wurde bereits mehrfach publiziert. Inzwischen hat der Autor nachgelegt. Und so kann das IZgMF die bislang jüngste Fassung (vom 06.09.2006) seiner Kritik zur zwar anstrengenden, zugleich aber sehr aufschlussreichen Lektüre anbieten (17.09.06).

Lesen Sie, wie arglose Wissenschafter für politische Propaganda missbraucht werden. Erfahren Sie, gegen welche Übermacht kleine Strahlengeschädigte zu kämpfen haben. Empören Sie sich darüber, wie unfair eine der mächtigsten Industrien mit Geschädigten umspringt. Erkennen Sie, wie durch scheinbare Gemeinnützigkeit Filz, Machtmissbrauch und rücksichtslose Unterdrückung berechtigter Anliegen getarnt werden. Tauchen Sie ein in die Welt einer noch weitgehend unbekannten Mafia.

1. Schulbeispiel einer manipulierten Studie

Was ist Forschung?

Nach Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist wissenschaftliche Forschung der nach Inhalt und Form ernsthafte und planmäßige Versuch zur Ermittlung der Wahrheit mit dem Ziel, in methodischer, systematischer und nachprüfbarer Weise neue Erkenntnisse zu gewinnen.”

Quelle: Verwaltungsgericht Mainz, Pressemitteilung 01/2005

Wissenschaftstheoretiker, Ethiker und Forscher haben in den letzten Jahren zahlreiche Mechanismen und Methoden ans Licht der Öffentlichkeit gebracht, mit denen medizinische Studien manipuliert wurden, und wo es den Sponsoren aus der Pharmaindustrie jeweils darum ging, dass die Ärzte und Patienten den Nutzen von Medikamenten und von medizinischen Verfahren übertrieben und die Nebenwirkungen untertrieben wahrnehmen sollten. Die Kritik hat hier bereits Reformen ausgelöst – im Gegensatz einem verwandten Gebiet, in welchem die Missbräuche noch grösser sind, nämlich in der Forschung zu Schadimmissionen. Hier geht es den am Ergebnis der wissenschaftlichen Studien interessierten Auftraggebern darum, dass die  Öffentlichkeit eine Schädlichkeit der Immissionen als nicht bestehend wahrnehmen soll, oder dass die Harmlosigkeit als erwiesen erscheinen soll. Die Methoden der Asbest- und Tabakindustrien sind bereits Legende. Der gemeinsame Nenner war hier, dass die Latenzzeit zwischen Immission und Krankheitsausbruch Jahrzehnte dauern kann. Während heute viele der Asbestgeschädigten finanzielle Gerechtigkeit erfahren dürfen, werden in den USA die ersten Urteile unter dem Antimafiagesetz RICO wegen manipulierter Forschung und Information gesprochen. Als Schulbeispiel für eine neue manipulierte Studie nehmen wir die erst am 6. Juni 2006 publizierte „Schweizer Studie zum Einfluss von UMTS-Mobilfunkfeldern auf das Wohlbefinden und kognitive Funktionen bei elektrosensiblen und nicht-elektrosensiblen Personen“, mit dem englischen Originaltitel „UMTS Base Station-Like Exposure, Well Being and Cognitive Performance“, der Autoren Regel, Negovetic, Röösli, Berdiñas, Schuderer, Huss, Lott, Kuster und Achermann. Die englische Originalfassung kann als PDF auf Environmental Health Perspectives abgerufen werden.

Als vor einigen Jahren neben und anstelle des verbreiteten Mobilfunkstandards GSM die neue Übermittlungstechnik UMTS eingeführt werden sollte, begann sich eine breitere Öffentlichkeit für die Frage zu interessieren, ob die neue Technik gesundheitsschädigende Wirkungen habe. Im Rahmen dieser Fragestellung hat das niederländische Institut TNO Fysisch en Elektronisch Laboratorium eine Studie mit 72 Probanden durchgeführt und im September 2003 veröffentlicht (PDF der Studie). Die Fragestellung der TNO-Studie war, ob Antennenanwohner die von ihnen  geschilderten subjektiven Symptome auch unter kontrollierten Laborbedingungen fühlen. Das Resultat war für die Mobilfunkindustrie beunruhigend: Bei den Probanden wurden bei gemischter GSM und UMTS Strahlung einige Effekte in den Bereichen kognitive Fähigkeiten und Wohlbefinden gefunden, welche gesundheitliche Fragen aufwerfen könnten. Die schweizerische Mobilfunkindustrie wollte mit ihrer Forschungsstiftung Mobilkommunikation das Thema sofort besetzen, und liess die brancheneigene Stiftung Mobilkommunikation hierzu einen Forschungsvertrag mit einem Forschungskonsortium unter der Leitung von PD Dr. Peter Achermann von der Universität Zürich abschliessen, mit dem Ziel, die TNO-Studie zu widerlegen.

2. Als Vorwände und Ausreden willkommene „Sachzwänge“

Das Setup zu jeder universitären Forschungsstudie mit menschlichen Probanden muss vorab einer Ethikkommission zur Bewilligung vorgelegt werden. Diese Vorschrift hat den Nebeneffekt, dass es bei Studien zu Schadimmissionen im Prinzip unmöglich ist, den Probanden Schadstoffe oder andere Immissionen in einer so hohen Dosis zu verabreichen, dass eine Gesundheitsschädigung überhaupt nachweisbar wird, denn es wäre unethisch, die Probanden durch wissenschaftliche Studien zu schädigen. Studien mit Probanden können daher kaum eine direkte Antwort auf die Frage nach einer Gesundheitsschädigung durch Immissionen geben. Bei der hier als Schulbeispiel für Manipulation beschriebenen Studie war geplant, die Probanden zwei Mal im Abstand von einer Woche während jeweils nur 45 Minuten mit Feldstärken von nur 1 V/m und 10 V/m zu bestrahlen, was weit unter dem vorsorglich niedrig angesetzten Grenzwert von 60 V/m für Dauerbestrahlung liegt. Die Forscher hatten aufgrund des gesetzlichen Grenzwertes und aufgrund früherer Studien kein Problem, der Ethikkommission nachzuweisen, dass eine derart schwache und kurze Bestrahlung keine Auswirkungen auf die Gesundheit haben werde, und schon gar keine dauerhaften. Für Versuche mit Langzeitbestrahlung von Probanden verfügen die Forscher jedoch über keine harten Fakten aus Laborstudien zum Nachweis der Harmlosigkeit – aber bei Mobilfunk-Basisstationen würden gerade die Auswirkungen der Langzeitbestrahlung auf die Gesundheit von Anwohnern überhaupt interessieren, jedenfalls wesentlich mehr als die Auswirkungen von nur kurzzeitiger Bestrahlung auf das Wohlbefinden von Probanden. Aus der Logik der Ethikkommissionen folgt, dass hier faktisch nur alibiartige Studien möglich sind. Es weisen zwar immer wieder epidemiologische Studien Effekte der Strahlung nach, diese Studien wurden aber wegen des im Fach Epidemiologie selbst begründeten Mangels an Präzision und genauer Replizierbarkeit bis heute von den wissenschaftlichen Peers bzw. Gutachtern nicht zur Publikation in den Fachjournalen zugelassen und werden daher von der Scientific Community des Fachs Biolelectromagnetics  nicht nur nicht wissenschaftlich anerkannt, sondern überhaupt ignoriert.

Dass der Forschungsvertrag, den die auftraggebende Forschungsstiftung Mobilkommunikation mit einem Forschungskonsortium abgeschlossen hatte, gar nicht die Fragestellung nach möglicher Gesundheitsschädigung aus Dauerbestrahlung zum Gegenstand hatte, welche die Öffentlichkeit interessiert hätte, sondern lediglich  mögliche Effekte auf Wohlbefinden und kognitive Fähigkeiten aus kurzzeitiger Bestrahlung, konnte somit sogar  „ethisch“ begründet werden. Dem Forschungskonsortium wurden für die Bearbeitung dieser bis zur Irrelevanz eingeschränkten Fragestellung CHF 720'000 ausbezahlt, wozu die am Ergebnis interessierten drei  schweizerischen Mobilfunkanbieter nur 40 % selbst beisteuerten und 60 % bei der öffentlichen Hand einforderten. Dieses Verhältnis wurde so festgelegt, damit der unbeteiligte Aussenstehende den Eindruck eines scheinbar neutralen und unvoreingenommenen Forschungsauftrags erhielt. Die Forschungsstiftung Mobilkommunikation war im Herbst 2002 von der Mobilfunkindustrie errichtet worden. Die Stifter beantragten den steuerlichen Status „gemeinnützig“, was der Stiftung ein behördlich abgesegnetes neutrales Image verleiht, mit  dem sich die Interessenpolitik der industriellen Stifter tarnen lässt, was wohl noch nützlicher ist als die mit der „Gemeinnützigkeit“ verbundene Steuerfreiheit.

Das Forschungskonsortium liess sich im Forschungsvertrag vorschreiben, dass die Studie in einer Fachzeitschrift mit Peer Review publiziert werden müsse. Das heisst, dass ein angesehener Wissenschafter des gleichen Fachgebiets, hier der „Bioelectromagnetics“, den Aufsatz vor der Freigabe des Verlags zur Veröffentlichung auf handwerkliche Solidität überprüft; der wissenschaftliche Peer bleibt dabei für die Forscher anonym. Da es weltweit kaum einen angesehenen Wissenschafter dieses Fachgebiets gibt, der ohne Sponsoring der Mobilfunkindustrie bestehen und forschen könnte, kann sich kein Forscherteam leisten, eine Arbeit im Fachgebiet „Bioelectromagnetics“ zur Prüfung durch einen Peer vorzulegen, welche den Interessen der Industrie zuwiderläuft. Mit einem solchen Forschungsvertrag müssen die Forscher also von der Fragestellung über das Setup der Studie und über die nachträgliche statistische Bearbeitung der Daten bis hin zu den Schlussfolgerungen Selbstzensur üben. Da die Auftraggeber aus der Mobilfunkindustrie die personellen Verhältnisse bei den weltweit circa fünf bis sechs spezialisierten Journalen kennen, ist die vertragliche Publikationspflicht mit daraus folgender faktischer Pflicht zur Selbstzensur kein Zufall. Die Publikationspflicht in einem Journal mit Peer Review kam auch dem beauftragten Forschungskonsortium zurecht, denn der Weg zum wissenschaftlichen Ruhm führt nur über dort veröffentlichte Publikationen.

Die junge Disziplin „Bioelectromagnetics“ ist an einer Schnittstelle von Physik (Mobilfunkstrahlung), Biologie (Genetik), Medizin (Neurologie, Endokrinologie) und Psychologie angesiedelt. Das Forschungskonsortium bestand überwiegend aus Physikern und wäre daher ohnehin kaum kompetent gewesen, die Auswirkungen der Bestrahlung auf die Gesundheit zu beurteilen, denn solches könnten wohl nur Mediziner.

Jedenfalls gelang es den industriellen Auftraggebern und ihrem Forschungskonsortium mit ihrer Studie die Öffentlichkeit von September 2003, als die Resultate der TNO-Studie bekannt wurden, bis 6. Juni 2006, als die Schweizer Resultate bekannt gegeben wurden, also während nahezu drei Jahren mit dieser hier als Schulbeispiel gezeigten Studie, hinzuhalten und während dieser Zeit die UMTS-Basisstationen zu bauen. Die Schweizer Studie hat nach dem, was eigentlich interessierte, nämlich Auswirkungen von Dauerbestrahlung mit UMTS auf die Gesundheit, nicht einmal gefragt.

3.  Die medizinische Wirkung von Strahlung

Mit zahlreichen Laborstudien mit kurzzeitiger Bestrahlung junger gesunder Probanden mit GSM-Funktelefonen wurde konsistent nachgewiesen und es entspricht  gesichertem Wissen, dass elektromagnetische Strahlung von Mobiltelefonen kognitive Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Reaktionsgeschwindigkeit positiv beeinflusst (G. Dürrenberger 2005 etc.).  Diese Symptome sind vereinbar mit einer leichten positiven Stressreaktion bzw. mit vermehrter Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin und bilden sich nach der kurzzeitigen Bestrahlung rasch zurück, denn die Halbwertszeit von Adrenalin beträgt nur 10 Sekunden. Auf die medizinische Nutzung genau dieser Strahlung für Hirnamputationen bei Epileptikern wird weiter unten etwas näher eingegangen.

Zur langzeitigen Bestrahlung durch Basisstationen gibt es aus den oben erwähnten „Ethikgründen“ keine Laborstudien. Patienten-Fallberichte und epidemiologische Studien zeigen aber, dass lange dauernde Bestrahlung durch Basisstationen bei Anwohnern so genannte unspezifische Symptome wie Schlafstörungen, Benommenheit, Konzentrationsstörungen etc. hervorruft (R. Santini, Navarro, Oberfeld, Hutter, Naila-Studie etc.), welche vereinbar sind mit vermehrter Ausschüttung des bei übermässiger Ausschüttung gesundheitsschädigend wirkenden Stresshormons Cortisol (Halbwertszeit von Cortisol: 1 Stunde 10 Minuten) und chronischen negativen Stresssymptomen. Es mag methodologisch zu Recht kritisiert werden, dass die Erfassung und die Zuordnung dieser Befunde zu bestimmter Strahlung bzw. zu bestimmten Emissionsquellen nicht so präzise sein können wie mit Laborstudien – das ändert aber nichts daran, dass die Befunde nicht mit dem Zufall erklärbar sondern statistisch signifikant sind. Die Symptome dieser zweiten Phase werden auch etwa unter dem Begriff Mikrowellensyndrom subsumiert, der als solcher nicht generell anerkannt ist - was ebenfalls nichts daran ändert, dass das Symptombild auch ohne anerkannte Bezeichnung bereits so häufig und unabhängig voneinander beschrieben wurde, dass es als solches nicht ernsthaft geleugnet werden kann. Mikrowellensyndrom heisst die Gesundheitsstörung, weil Mobilfunkstrahlung bzw. radiofrequency elektromagnetische Strahlung im Frequenzbereich der Mikrowellen ist. Wie bei Morbus Parkinson sind die Symptome hier nicht bei allen Erkrankten einheitlich, und wie bei Morbus Parkinson dauert es entsprechend lange, bis die Krankheit einen endgültig anerkannten Namen und medizinischen Code erhält.

Die TNO-Studie wurde denn auch nicht ohne äusseren Anlass durchgeführt. Der Anlass waren Berichte von Anwohnern von GSM-Basisstationen über gesundheitliche Probleme und gestörtes Wohlbefinden. Bei TNO wurde die Hypothese geprüft, ob sich diese Phänomene auch unter Laborbedingungen einstellen würden. Welche Gründe auch immer dazu geführt haben, dass die Studie so und nicht anders durchgeführt wurde – der  Ansatz, mittels nur gerade zwei mal 45 Minuten währender Versuche mit relativ schwacher Immission im Labor Schlüsse zu gesundheitlichen Auswirkungen einer Dauerimmission ableiten zu wollen, ist und bleibt fragwürdig.

Weder in der TNO-Studie noch in der Schweizer Studie finden sich Annahmen zur Ursache-Wirkungs-Kette vom „Empfang“ der Störstrahlung an irgendeiner Stelle im Körper der Probanden bis zur Äusserung der Symptome. Für die methodologische Kritik an beiden Studien ist es deshalb zwar nicht notwendig aber hilfreich, als partiellen Ursache-Wirkungs-Mechanismus ein elektromagnetisch induziertes Stresssyndrom (EMISS) zugrunde zu legen. Das bedeutet, dass elektromagnetische Strahlung je nach Empfindlichkeit der bestrahlten Person bei dieser ein Stresssyndrom auslösen (= to induce) kann.

EMISS kann in bis zu drei Hauptphasen verlaufen: Zunächst ergibt sich eine sofortige, mit Adrenalinausschüttung vereinbare, in verschiedenen Studien gemessene Verbesserung von Reaktion und Kurzzeitgedächtnis sowie Veränderungen von Hirnstromwellen und Hirndurchblutung. Dieser Phase kann sich nach einer gewissen Zeit eine mit Cortisolausschüttung vereinbare Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten,  des Wohlbefindens und vor allem der Gesundheit anschliessen. Als dritte Phase können bei einigen Personen, deren endokrines und vegetatives System sich nicht mehr rasch in den gesunden Ausgangszustand zurück regelt, durch Dauerstress bewirkte Erkrankungen eintreten.

Das Stressgeschehen im menschlichen Körper ist nun nicht ein Vorgang mit linearem und proportionalem Zusammenhang von Ursache und Wirkung, sondern entspricht einem komplexen Steuerungs- und Regelungsmechanismus, dessen Informationsaustausch über endokrine und vegetative Bahnen verläuft, und der darüber hinaus in zeitlichen Phasen abläuft, welche wiederum von den unterschiedlichen Halbwertszeiten der Stresshormone abhängen. Dieses normalerweise austarierte System kann durch elektromagnetische Strahlung vorübergehend oder längerfristig gestört werden. Dabei spielt die elektromagnetische Strahlung die Rolle einer Fehlinformation an die neuroendokrinen und vegetativen Steuerungs- und Regelungsorgane, welche als Ergebnis die zentrale hormonelle Stressachse vorübergehend oder länger andauernd beeinflussen, irritieren oder gar schädigen kann.

Neben solchem indirektem, weil über den Stressmechanismus verlaufendem, Einfluss elektromagnetischer Strahlung auf das Zentralnervensystem gibt es auch Einflüsse von Mobilfunkstrahlung auf das ZNS, die möglicherweise direkt verlaufen. So löst die Neurologische Klinik des Universitätsspitals Zürich bei Epileptikern mit Mobiltelefonstrahlung epileptoforme Spikes im EEG aus, um die aus dem Hirn der Probanden zu amputierenden Epilepsieherde schneller und genauer lokalisieren zu können (Kurzbericht).

Weil das Gebiet der Bioelectromagnetics von Physikern beherrscht wird, und die dort wirkenden Mediziner sachfremde Spezialisten sind, ist die Forschung von extrem spezialisierten Fragestellungen gekennzeichnet, welche nicht nach den medizinischen Gesamtzusammenhängen frägt. Auch wenn der Gesamtüberblick fehlt ist bei den Forschungsteams dennoch ein Wissen zu einfachen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen vorhanden.

4. Manipulation des Setup im Vorfeld der Studie

Als Forschungsprämissen galten den Schweizer Forschern die weiter oben umschriebenen Sachzwänge. Ohne deren Beachtung hätten sie weder mit der Studie beginnen können, noch hätten sie diese mit einer von einem Peer begutachteten Artikel abschliessen können. Vor allem hatte das von den Auftraggebern vorgegebene Ziel in keiner Weise zum Inhalt, die medizinischen Zusammenhänge zu erforschen oder auch nur darzulegen. Die Schweizer Studienleiter verfügten aus zahlreichen früheren veröffentlichten Studien und nicht veröffentlichten internen Versuchen im Vorfeld über das Wissen, das ihnen ermöglichte, das Setup der neuen Studie so festzulegen, dass mit kurzzeitiger und schonender Bestrahlung widerstandsfähiger Probanden keine Effekte im Bereich Wohlbefinden und kognitive Fähigkeiten auftreten sollten, welche mit den verwendeten Tests grundsätzlich nachweisbar waren. 

Als erstes legten die Schweizer Forscher im Setup ihrer Studie die Art der angewandten Strahlung anders fest als bei der TNO-Studie. Der Form halber wurde die Hardware (Höhenposition und Ausrichtung der Antenne, Isolation gegen Drittimmissionen) dem Setup der TNO Studie äusserlich weitgehend nachgebaut und in demonstrativer Ausführlichkeit fotografisch dokumentiert. Es wurde aber nicht darauf hingewiesen, dass die Charakteristik der Ausstrahlung und die Anstrahlung der Probanden, beispielsweise der Abstand zwischen Antenne und Probanden, verändert wurden. Für eine wenigstens teilweise Replikation bzw. Wiederholung hätten aber als Minimum die UMTS-Antenne und die Exposition der Probanden exakt nachgebaut werden müssen. Wenn der Abstand zwischen Antenne und Proband, der bei TNO 3 Meter betrug, in Zürich auf 2 Meter verkürzt wird, dann erfolgte immerhin eine starke Annäherung an den Abstand von 1,4 Metern, bei welchem sich die Feldcharakteristik völlig ändert. Insbesondere wurde die Sonde zur Kontrollmessung der Strahlung in Zürich direkt vor der Antenne platziert, wo nicht nur die Stärke sondern auch die Charakteristik der Strahlung eine andere als beim Probanden ist. Gemessen wurde in Zürich nur vor und nach, aber nicht während der Bestrahlung. Das bedeutet, dass in Zürich überhaupt nicht gemessen wurde, mit welcher Stärke die Strahlung beim Probanden eintraf, und dass während der Bestrahlung die Strahlung als solche nicht kontrolliert wurde. Und wenn zudem in Zürich die Abstrahlung kugelförmig auf den ganzen Körper des Probanden erfolgte, während sie bei TNO lanzenförmig auf den Kopf gerichtet war, dann stellt sich der Laie die nur allzu berechtigte aber bis heute nicht beantwortete Frage, weshalb denn das physische Setup in Zürich um so viel anders ausgelegt wurde als bei TNO, und warum nicht wenigstens auf die Unterschiede hingewiesen wurde. Eine öffentliche Erklärung wäre umso dringender, als die Forschungsstiftung Mobilkommunikation, welche bei den schweizerischen Bundesbehörden die zweckgebundenen Gelder eingesammelt hatte, zuvor wörtlich verbreitet hatte: „Dieselbe Feldbedingung wie in der TNO Studie (1V/m) soll mit einem identischen Expositionsaufbau repliziert werden.“ (http://www.mobile-research.ethz.ch/var/TNO_abstract_D.pdf).

Den flüchtigen Leser der Studie lenkt die Dokumentation der Hardware zudem  davon ab, dass bei der hier als Schulbeispiel für Manipulation betrachteten Schweizer Studie die Software bzw. die Art der Bestrahlung wichtiger für die Vergleichbarkeit der Studien ist als die Hardware - die physiologisch wirksame Strahlenbelastung der Probanden pro Sitzung wurde in Zürich so gut wie gänzlich geändert und in der Auswirkung im Vergleich zu TNO-Studie möglicherweise verringert. Die Schweizer Forscher verwendeten nur das Pilotkanalsignal von UMTS Basisstationen, während bei der TNO Studie in der selben Sitzung jeweils nacheinander entweder das Pilotkanalsignal von UMTS und ein Gesprächskanalsignal GSM oder zwei mal GSM auf die Probanden angewandt wurde.

Die Strahlung der Schweizer Studie war im Übrigen nicht nur anders als die bei TNO, sondern auch anders als die wirkliche Strahlung einer UMTS Basisstation mit Datenverkehr. Allerdings ist das UMTS-Pilotkanalsignal gepulst und daher bezüglich Auswirkungen auf den Organismus mit der ebenfalls gepulsten GSM-Strahlung vergleichbar; nur der UMTS-Datenverkehr ist ungepulst. Bei schwachem Datenverkehr (wie zur Zeit fast überall) schlägt die Pulsung indessen immer noch fast unvermindert durch, sodass bezüglich UMTS-Signalform der Unterschied zwischen Studie und gegenwärtigen Praxisbedingungen wohl eher gering ist. Der grosse Unterschied besteht jedoch darin, dass eine Basisstation die Anwohner nicht nur während 45 Minuten, sondern dauernd bestrahlt.

Als zweites wurden die Dauer und Abfolge der Bestrahlung verändert. Der Originaltext der TNO-Studie beschreibt, dass die Versuche mit den einzelnen Probanden jeweils an einem einzigen Nachmittag stattfanden, und dass die Versuche nach einer Trainingsphase ohne Strahlung von 45 Minuten Dauer drei mal 45 Minuten, also insgesamt 2 Stunden 15 Minuten, dauerten. In diesen drei Mal 45 Minuten wurden die die Probanden zwei Mal bestrahlt und ein Mal  nicht  (sham, Placebo).  Die Bestrahlung erfolgte  jeweils mit einer Auswahl aus GSM 900, GSM 1800 und UMTS, wobei  die Probanden zufällig zu Gruppen mit unterschiedlicher  Reihenfolge von Bestrahlung und Nichtbestrahlung zugeteilt wurden. – Auf Hinweise in der Sekundärliteratur, dass bei TNO jeweils nicht die ganzen 45 Minuten bestrahlt wurde, muss hier nicht im Einzelnen eingegangen werden, da Pausen, die möglicherweise zwischen den Bestrahlungen erfolgten, das Ergebnis mutmasslich nicht stark ändern.

In der Schweizer Studie wurden die Probanden an zwei Nachmittagen jeweils nur ein Mal während 45 Minuten nur mit UMTS und nie mit GSM bestrahlt, und an einem weiteren Nachmittag  wurden die Tests ohne Bestrahlung (sham, Placebo) durchgeführt. Das Strahlungsgeschehen war in Zürich aber pro Sitzung einheitlich und gleichmässig, was den Organismus mancher Zürcher Probanden möglicherweise weniger unter Stress setzte, als es bei TNO der Fall war. Die Beschränkung der Bestrahlung in Zürich auf einen einzigen Frequenzbereich im Vergleich zu  TNO mit  insgesamt drei Frequenzbereichen bzw. pro Proband jeweils zwei Frequenzbereichen bewirkte vielleicht eine schonendere Bestrahlung  in Zürich als bei TNO. Wenn unterstellt wird, dass es bei den Probanden für unterschiedliche Frequenzbereiche unterschiedliche Empfindlichkeiten geben kann, dann ist allein hieraus die Wahrscheinlichkeit für positive Ergebnisse in Zürich geringer als bei TNO, wo nur mit UMTS bestrahlt wurde.  Wenn ferner unterstellt wird, dass die negativen Wirkungen der Bestrahlung erst mit zeitlicher Verzögerung eintreten, dann  erhält die Tatsache eine hohe Relevanz, dass in Zürich pro Nachmittag zwischen Beginn und Ende der Versuche nur 45 Minuten lagen, während bei TNO an einem Nachmittag zwei echte und ein sham Versuch zu je 45 Minuten durchgeführt wurden, dass also drei mal 45 Minuten zwischen Beginn und Ende liegen konnten. Die Schweizer Forscher haben ihr Setup vor der Durchführung der Versuche so festgelegt, dass die Strahlung in Zürich gegenüber dem Setup von TNO kürzer dauerte und völlig einheitlich war, und dass folglich bereits aus diesem Grund die Wahrscheinlichkeit, dass Wirkungen eintreten, in Zürich geringer war als bei TNO.

Als drittes wurde bei der Schweizer Studie unter der Leitung des Pharmakologen Dr. Achermann die Strahlungsstärke um den Faktor 10 variiert. Dieses geschah mit der erklärten Absicht, eine Dosis-Wirkungs-Relation zu finden - eine solche wurde aber nicht gefunden. Da das von der Strahlung ausgelöste Stressgeschehen nicht ein linear verlaufender Vergiftungs- oder Aufheizungsvorgang ist, sondern einem komplexen vegetativen und endokrinen Steuerungs- und Regelungsmechanismus entspricht, der zudem in zeitliche Phasen gegliedert ist, war grundsätzlich zu erwarten gewesen, dass ein einfaches pharmakologisches (oder toxikologisches) Dosis-Wirkungs-Modell für die elektromagnetische Immission versagen muss. Aus der vergeblichen Suche nach einem Dosis-Wirkungs-Modell leiten wir mehreres ab bzw. lernen wir mehreres:

Das festgestellte Fehlen einer Dosis-Wirkungs-Relation ist ein starker Hinweis darauf, dass die gefundenen Effekte bei Wohlbefinden und kognitiven Fähigkeiten tatsächlich die Folgen des Einwirkens elektromagnetischer Strahlung in ein Steuerungs- und Regelungssystem sind. Aus der Art der gefundenen Effekte kann geschlossen werden, dass es sich beim fraglichen Steuerungs- und Regelungssystem um das vegetative und endokrine Stressregulierungssystem handelt, welches seinerseits zentralnervöse Funktionen wie kognitive Leistung und Wohlbefinden massgeblich beeinflusst. Dass das Forschungskonsortium nach einer Dosis-Wirkungs-Relation gesucht hat, liesse sich zunächst banal aus der Tatsache erklären, dass der Leiter des Forschungskonsortiums Pharmakologe ist, denn in Pharmakologie und Toxikologie gibt es zahlreiche über weite Strecken lineare und proportionale Dosis-Wirkungs-Relationen.

Bei der Funkstrahlung kommt eine klare proportionale Dosis-Wirkungs-Relation ebenfalls vor, aber nur bei den thermischen Wirkungen. Als thermische Wirkung wird die messbare Erwärmung des Körpers bezeichnet, wie sie in der Nähe starker Sender (oder im Mikrowellenofen) auftritt. Mobilfunkstrahlung ist aber - anders als die Strahlung im Mikrowellenofen - eine in kurze Strahlungsperioden gehackte Strahlung mit Pausen. Für die Erwärmung ist nur der Durchschnitt der Strahlung massgebend und nicht die Strahlungsspitzen, und dieser Durchschnitt ist der Gegenstand und die Basis aller Grenzwerte für Mobilfunkbasisstationen. Der Durchschnitt setzt sich aber zusammen aus – relativ gesehen - sehr viel Pause und sehr hohen Strahlungsspitzen, mit denen die Gespräche und andere Information übermittelt werden. Von den zwar nur extrem kurzen, aber weit über dem Durchschnitt strahlenden Spitzen ist in den Studien nie die Rede. Doch genau diese sind möglicherweise für den Eintrag von Fehl- bzw. Störinformation in den Steuerungs- und Regelungsmechanismen des menschlichen Organismus verantwortlich, mithin überhaupt für die so genannten nichtthermischen Wirkungen der Mobilfunkstrahlung.

Wer nach dem Grund fragt, weshalb sich die von der Industrie gesponserte Forschung nur mit den Durchschnittswerten und nie mit den Spitzenwerten befasst, stösst früher oder später auf die Festlegung der Immissionsgrenzwerte. Die Immissionsgrenzwerte der WHO und der nationalen Gesetzgeber für die Basisstationen und die SAR-Richtlinien der Industrie für die Mobiltelefone wurden nach einem einzigen Kriterium festgelegt, nämlich einen genügenden Sicherheitsabstand von der thermischen Wirkung einzuhalten, welche direkt von der durchschnittlichen Strahlung abhängt. Unter thermischer Schädigung werden Gewebeschäden wie durch Verbrennung verstanden. Dass die Grenzwerte zusätzlich um Faktoren reduziert werden, welche mit Vorsorge begründet werden, ändert nichts an der Grundtatsache, dass die Grenzwerte eine Funktion der thermischen Wirkungen der Mikrowellenstrahlung bleiben, sondern bestätigt diese. Die bestehenden Immissionsgrenzwerte wurden der WHO von der Industrie vorgeschlagen. Da eine andere Festlegung als nach Durchschnitten wenig praktikabel erscheint bzw. unendliche Diskussionen zur Folge hätte, ist die Festlegung der Grenzwerte auf Basis der durchschnittlichen Strahlung und als Funktion der thermischen Wirkung das Grunddogma der Mobilfunkindustrie, an dem kein von ihr bezahlter Forscher rütteln kann, auch nicht durch differenziertere Untersuchung. Die Forschung nach gesundheitlichen Wirkungen von Mobilfunkstrahlung, welche die finanzierende Industrie faktisch erlaubt und möglich macht, ist deshalb vergleichbar mit Astronomie, die nur einfache Feldstecher verwenden darf, oder mit physikalischer Forschung, die nur Kilosteine und Stockmeter verwenden darf.

Die Fragestellung, ob es einen Dosis-Wirkungs-Effekt bei Variation der durchschnittlichen Strahlung gibt, ist dann vollends irrelevant, wenn unterstellt wird, dass elektromagnetische Strahlung im nichtthermischen Bereich als Fehl- oder Störinformation im Stressregulierungssystem wirkt, und nicht proportional zur verwendeten bzw. abgestrahlten Menge und zum Körpergewicht von Probanden wirkt wie ein Arzneimittel, ein Gift oder ein nicht abgedichteter Mikrowellenofen. Wenn für die erfolgreiche Signalübermittlung bei der digitalen Funktelefonie die elektromagnetisch übermittelte Information einfach nur eindeutig auslesbar ankommen muss, und wenn keiner behauptet, dass sich daran etwas ändere, wenn die Abstrahlung des Mobilfunksignals verstärkt wird, und wenn ebenfalls keiner der Wärmeabstrahlung für die Signalübermittlung eine Rolle beimisst, dann mutet es seltsam an, wenn im Zusammenhang mit dem Eintrag von Fehlinformation in das hormonelle und vegetative Steuerungs- und Regelungssystem des Menschen nach thermisch definierten Dosis-Wirkungs-Effekten gesucht wird. Eine solche Art von Fragestellung ist einerseits kennzeichnend dafür, dass im Bereich der Bioelectromagnetics eine allzu hochgradige Spezialisierung am Gesamtüberblick über medizinische Zusammenhänge hindert, und andererseits würde sich der Kreis wiederum schliessen, wenn unterstellt würde, dass die industriellen Auftraggeber ihre Forschungsaufträge mit der Absicht, dass die gesundheitlichen Auswirkungen der Strahlung nicht bestätigt werden, nur solchen hochgradig spezialisierten Wissenschaftern anvertrauen.

Als viertes wurde bei der Schweizer Studie die Versuchsdauer verändert. Die Versuche dauerten in Zürich 45 Minuten und bei TNO zwei mal 45 Minuten pro Nachmittag. Sie war auch doppelt so lang wie bei früheren Studien in Zürich, welche jedoch anstelle der Strahlung von Basisstationen die wesentlich stärkere Mobiltelefonstrahlung als Gegenstand hatten, und bei welchen die erwähnten konsistenten Änderungen der kognitiven Fähigkeiten festgestellt wurden. Es gibt übrigens zur Strahlung der Mobiltelefone im Gegensatz zur Strahlung der Basisstationen keine im Gesetz fixierten Grenzwerte; die Strahlung der Mobiltelefone ist stark veränderlich, denn sie variiert in Abhängigkeit von der durch die Basisstation verursachten Strahlungsintensität, die am Ort des Mobiltelefonates herrscht. Und da sich die Antenne des Telefons in unmittelbarer Nähe des Kopfs des Benutzers befindet, ist die Strahlung des Mobiltelefons, die auf den Benutzer einwirkt, im Normalfall  um Grössenordnungen stärker als die entsprechende Strahlung, die ihn von der Basisstation erreicht. Im Gegensatz zum Mobiltelefon strahlt die UMTS-Basisstation aber ununterbrochen das gepulste Pilotsignal aus.

Als fünfte Änderung des Studiendesigns wurden die Probanden nach gänzlich anderen Kriterien als bei TNO selektiert. Die Schweizer Forscher verfügten aus ihren eigenen früheren Studien mit Mobiltelefonstrahlung mit jungen und gesunden Probanden im Alter von circa 25 Jahren über das gesicherte Wissen, dass bei kurzeitiger Bestrahlung mit GSM-Mobiltelefonstrahlung positive Änderungen von kognitiven Fähigkeiten und Wohlbefinden eintreten können. Unter diesen Umständen, nämlich bei kurzer Bestrahlung, kommt wohl nur die erste Phase von EMISS zum Zug, welche von Adrenalin bzw. von positiven Stressreaktionen wie verbesserte Aufmerksamkeit gekennzeichnet ist. Bei TNO waren Versuchsanlage und Probanden jedoch gänzlich anders. Das Durchschnittsalter aller Probanden war mit 51,5 Jahren doppelt so hoch wie bei früheren Schweizer Studien. Wenn die TNO-Probanden Symptome zeigten, dann war mindestens ein Teil davon mit dem höheren Alter und der damit verbundenen höheren Empfindlichkeit auf stressende äussere Einflüsse zu erklären. Bei TNO war die Zeitspanne zwischen Beginn und Ende der Bestrahlung mit den Basisstationssignalen wesentlich länger als 20 oder 45 Minuten – es gab pro Nachmittag stets drei Versuchsperioden von 45 Minuten Dauer, wovon eine Periode sham war. So konnte bei TNO wohl die  zweite, von Cortisol und gegenteiligen Auswirkungen gekennzeichnete Phase eher zur Geltung kommen und von den Forschern in Form von verminderter kognitiver Leistung erfasst werden. Das Setup der Schweizer Studie wurde in Abweichung vom Setup der TNO-Studie dem Setup der früheren Schweizer Studien, welche als positiv zu wertende Änderungen von kognitiven Fähigkeiten und Wohlbefinden ergaben, angenähert, und zwar in Bezug auf Bestrahlungsdauer, Alter und Gesundheitszustand der Probanden.

War das mögliche übergeordnete Ziel der Auftraggeber der Schweizer Studie, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Effekte messbar sein sollten? Dann galt es die Probanden für die „TNO Replikation“ in Bezug auf Alter und Gesundheit zu homogenisieren. Folglich mussten Probanden ausgeschlossen werden, welche auf EMISS anfällig waren, das heisst ältere Personen und Personen mit Krankheits- oder Stresssymptomen. Es  wurde ein Fragebogen entwickelt, mit welchem die  Bewerber für die Teilnahme an der Studie als Probanden bereits im Vorfeld durch Befragung am Telefon selektiert wurden. Mit dem Fragebogen wurden alle Personen mit folgenden Merkmalen ausgeschieden:

    Schlafstörungen: Sind ein typisches Stresssymptom, das sehr häufig von Personen geschildert wird, welche Gesundheitsbeschwerden auf Mobilfunk zurückführen. Dieses Symptom wird von einigen Quellen als Leitsymptom des Mikrowellensyndroms bezeichnet.

    Anregende psychoaktive Drogen: Kaffeekonsum ist typisch für Personen mit stressbedingter Abgeschlagenheit; mehr als drei Tassen pro Tag führten zum Ausschluss als Proband.

    Sedierende psychoaktive Drogen: Alkohol hilft vielen beim Stressabbau, 6 Dosen Bier pro Woche bzw. weniger als eine pro Tag führten bereits zum Ausschluss. Diese geringe Alkoholmenge wird von Ärzten zur Krankheitsprophylaxe empfohlen.

    Zentralnervöse Medikamente: Werden oft zur Kompensation von Stresssymptomen verschrieben.

    Neurologische oder psychiatrische Diagnose: Wer gesundheitliche Beschwerden auf elektromagnetische Strahlung zurückführt, wird von vielen Ärzten zunächst als psychischer Fall betrachtet, denn die Empfehlungen, welche die Mobilfunkindustrie als medizinische Periodika, Bücher und Zeitschriftenartikel getarnt an alle Ärzte verteilt, lauten, solche Patienten generell als psychische Fälle zu betrachten und zu behandeln; ähnliche Aussagen verbreiten auch medizinische Verbandsfunktionäre an ihren offiziellen medizinischen Weiterbildungsveranstaltungen, welche (zufällig?) von der  Mobilfunkindustrie gesponsert werden.

Diese und weitere Ausschlusskriterien bewirken, dass möglichst nur noch gesunde Probanden für die Versuche verbleiben, welche eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen die Stress bewirkenden Einwirkungen von Mobilfunkstrahlung aufweisen.

Dass das Hormonsystem und das vegetative Nervensystem beim Menschen die Orte des Stressgeschehens sind, und dass die Leistungsfähigkeit des Zentralnervensystems unter Stressbedingungen vom aktuellen Zustand dieser Systeme abhängt, ist ebenso Allgemeinplatz der Medizin wie dass das Hormonsystem und das vegetative Nervensystem im Alter von circa 25 Jahren gegen Stressoren am stabilsten und am resistentesten sind. In diesem Alter regulieren sich der hormonelle und der vegetative Zustand nach Einwirkung von Stressoren am schnellsten und am zuverlässigsten in den Normalzustand zurück. Folglich musste das Alter der Zürcher Probanden auf circa 25 Jahre homogenisiert werden, wenn das Ziel war, dass aus Bestrahlung bzw. aus Elektrostress möglichst keine nachweisbare Folgen resultieren sollten.

Die kleine Aufstellung zeigt das jeweilige Durchschnittsalter der Probanden (J.) sowie deren Anzahl (N):

 

Elektrosensible

Nicht-sensible

Alle Probanden

 

TNO Studie

55,7  J.  (N=36)

46,6 J.  (N=36)

51,5 J.  (N=72)

 

Schweizer Studie

? J.        (N=33)

? J.      (N=84)

37,7 J.  (N=117)

 

Altersdifferenz

nicht eruierbar

nicht eruierbar

13,8 Jahre

 


 

 


 

 






 

Weil die Schweizer Autoren das Alter der Untergruppen nicht offen legen, kann das Alter der Untergruppen nicht direkt mit TNO verglichen werden. Wird das Alter der Zürcher „Elektrosensiblen“ in Analogie zur TNO Studie auf 55 Jahre geschätzt, dann ergäbe sich bei den Zürcher „Nicht-sensiblen“ ein Durchschnittsalter von 27 Jahren. Würde es bei den Zürcher „Elektrosensiblen“ auf 37 Jahre geschätzt, dann ergäbe es bei den „Nicht-sensiblen“ ebenfalls 37 Jahre. Demnach waren unter praktisch allen sinnvoll erscheinenden Annahmen die „Nicht-sensiblen“ in Zürich wesentlich jünger als bei TNO, was einen direkten Vergleich der Versuchsergebnisse verunmöglicht, obwohl die „Nicht-sensiblen“ möglicherweise bezüglich Gesundheitszustand noch vergleichbar waren. Wenn bei den TNO-Probanden Effekte der Bestrahlung festgestellt wurden, dann war allein aus der Altersdifferenzzwischen den TNO- und den Zürcher Probanden, welche allein in der Festlegung des Schweizer Setup begründet ist, zu erwarten, dass in Zürich geringere oder gar keine Effekte auftreten würden.

5. Wortwahl mit Propagandawirkung

In der englischen Fassung der Schweizer Studie wurden zwei Gruppen von Probanden unterschieden, nämlich „sensitive“ und „non-sensitive“, die in der deutschen Zusammenfassung als „elektrosensibel“ und „nicht-elektrosensibel“ bezeichnet wurden. Auf den ersten Anblick scheint die englische Bezeichnung und deren Rückübersetzung ins Deutsche unverdächtig und korrekt. Dass das deutsche „sensibel“ bzw. „fühlend“ in englisch nicht etwa „sensible“ sondern „sensitive“ bedeutet und dass die Sprache somit mehr zu Verwirrung als zu Klarheit beiträgt, kam den Schweizer Autoren möglicherweise zupass. Da übrigens das englische „sensible“ in deutsch vernünftig bedeutet, wird es nicht im Zusammenhang mit elektromagnetischer Strahlung verwendet. Im Deutschen werden die beiden Begriffe elektrosensitiv und elektrosensibel nebeneinander verwendet, die Begriffe sind aber nicht einheitlich definiert, sodass jeder der beiden Begriffe je nach Autor entweder bedeuten kann, dass die entsprechenden Personen nach eigenen Angaben unter „Elektrostress“ leiden, oder dass sie angeben quasi wie mit einem Sinnesorgan das Vorhandensein von Strahlung zu „fühlen“, ohne deshalb gesundheitliche Auswirkungen aufzuweisen. In dieser sprachlich unklaren Lage müsste in einer seriösen Studie zwingend angegeben werden, ob mit „sensibel“ oder „sensitiv“ jeweils Personen gemeint sind,

    die nach eigenen Angaben an gesundheitlichen Strahlenfolgen, Mikrowellensyndrom, Elektrostress bzw. EMISS  leiden (b),

    oder die angeben, sie könnten das Vorhandensein von Strahlen wie mit einem Sinnesorgan fühlen, ohne darunter zu leiden ( c).

Bei der TNO-Studie wurden je zwei gleich grosse Gruppen von Probanden gebildet und untersucht, nämlich:

    (a) 36 nicht-sensible bzw. beschwerdenfreie Probanden,

    (b) 36 Probanden, welche gesundheitliche Beschwerden auf elektromagnetische Strahlung zurückführen, nämlich „self reported health complaints“.

Bei der Schweizer Studie wurden im Prinzip drei Gruppen von Probanden gebildet:

    (a) 84 nicht-elektrosensible Personen, „non-sensitive“

    (b) Teilmenge 1 von 33 „self reported sensitives“: Personen mit Gesundheitsbeschwerden, die  auf elektromagnetische Strahlung zurückgeführt werden, von den Schweizer Autoren als „afflictions related to RF EMF“ bezeichnet, wobei RF EMF elektromagnetische Strahlung im Radiofrequenzbereich bzw. Mobilfunkstrahlung bedeutet; wahrscheinlich 0 bis 3 Personen.

    (c) Teilmenge 2 von 33 „self reported sensitives“: Personen ohne Gesundheitsbeschwerden, die aber angeben, sie könnten elektromagnetische Strahlung fühlen, sie hätten gewissermassen ein Sinnesorgan dafür, von den Schweizer Autoren als „purported sensing of RF EMF“ bezeichnet; wahrscheinlich 30 bis 33 Personen.

Da bei der Schweizer Studie Personen mit gesundheitlichen Beschwerden, die für EMISS typisch sind, durch den Fragebogen ausselektiert und gar nicht zugelassen wurden, blieb in Zürich die Gruppe (b) bzw. die Teilmenge der „sensitives“ mit gesundheitlichen Beschwerden bzw. mit „afflictions related to RF EMF“ folgerichtig gänzlich oder nahezu leer. Die von den Schweizer Autoren im englischen Original als „sensitive“ bzw. in der Rückübersetzung als „elektrosensibel“ bezeichneten Zürcher Probanden, welche ohne gesundheitliche Beschwerden waren, die aber von sich aussagten, sie könnten elektromagnetische Strahlung fühlen, waren in keiner Weise deckungsgleich mit den in der Schweizer Studie ebenfalls als „sensitive“ bzw. „elektrosensibel“ bezeichneten TNO-Probanden, welche ausnahmslos über Gesundheitsbeschwerden klagten, die sie auf elektromagnetische Strahlung zurückführten. Jedenfalls bestätigen die Schweizer Autoren in der englischen Fassung selbst, dass ihre „sensitives“ bzw. „Elektrosensiblen“ lauter gesunde Personen waren, denn sie bezeichnen die Gesamtheit ihrer Probanden auf Seite 1270, Vol. 114, No. 8 in Environmental Health Perspectives als „117 healthy subjects“. Daraus folgt, dass es sich gleich um eine zweifache wissenschaftliche Täuschung durch die Schweizer Autoren handelt, wenn sie erstens ihre eigenen „sensitives“ trotz der Unterschiede gleich bezeichnen wie die Probanden der TNO-Studie, und wenn sie zweitens die beiden Gruppen überhaupt miteinander vergleichen.

Warum wurde in Zürich überhaupt eine Gruppe von „sensitives“ bzw. „Elektrosensiblen“ gebildet und getestet, wenn sie doch wie die andere Gruppe völlig gesund waren? Der Schluss liegt nahe, dass diese Gruppenbildung der wissenschaftlichen Manipulation und Täuschung diente. Sollte wohl der Öffentlichkeit durch „wissenschaftlichen Beweis“ suggeriert werden, dass es „Elektrosensibilität“ oder „Elektrosensitivität“ gar nicht gibt, und dass folglich auch niemand an gesundheitlichen Beschwerden aus elektromagnetischer Strahlung leiden kann? Mit solchen Studien, die dem nicht so gründlichen Leser diesen Scheinzusammenhang suggerieren, ist es der Mobilfunkindustrie gelungen zu bewirken, dass medizinische Gutachter diese nur  prima vista einleuchtend tönende aber logisch grundfalsche Argumentation in ihren Expertisen übernehmen.

Die Schweizer Forscher haben aber lediglich bewiesen und als angeblich relevantes Forschungsergebnis dargestellt, was längst bekannt war und keines erneuten Beweises mehr bedurfte, nämlich dass der Mensch über kein besonderes Sinnesorgan verfügt, mit dem er elektromagnetische Strahlung im Mobilfunkbereich direkt wahrnehmen kann. Da der Mensch über kein solches Sinnesorgan verfügt, konnten die Schweizer Forscher von Anfang sicher sein, dass ihre Studie durch „sham“ bzw. Placebobestrahlung nachweisen wird, dass die subjektiven Angaben sämtlicher Probanden, also sowohl der „Nicht-elektrosensiblen“ als auch der „Elektrosensiblen“ über angebliches Strahlenfühlen nichts mit tatsächlich ein- oder ausgeschalteter Strahlung zu tun haben sondern reiner Zufälligkeit entspringen werden. Gestützt auf dieses „Forschungsergebnis“ konnten die Schweizer Autoren einmal mehr verbreiten, dass die „sensitives“ oder zu deutsch die „Elektrosensiblen“ sich lediglich einbilden, sie seien solche. – Dieses war umso einfacher, als die Schweizer Forscher der Öffentlichkeit verschwiegen haben, dass sie nur längst widerlegtes angebliches unmittelbar sinnliches Strahlenfühlen (Gruppe b) zum x-ten Mal widerlegen konnten, dass sie aber die Gruppe (a), welche durch wahrnehmbare mittelbare körperliche Stressreaktionen gekennzeichnet ist, heimlich von den Versuchen ausgeschlossen haben. Bei Personen mit Elektrostress treten die Stresssymptome mit einer zeitlichen Verzögerung auf, wobei wir nicht einmal ausschliessen können, dass der von den Schweizer Autoren ausschliesslich verwendete eher atypisch strahlende Pilotkanal von UMTS Basisstationen für sich allein bei kurzer Bestrahlung überhaupt keine, oder nur in ganz seltenen Fällen, oder wenn überhaupt dann nur eher atypische Symptome auszulösen geeignet ist.  – Wenn keine Propaganda mit der Studie beabsichtigt gewesen wäre, dann hätte man die sich selbst als „elektrosensibel“ bezeichnenden Probanden (Gruppe c) direkt darüber aufklären können, was im Fachgebiet „Bioelectromagnetics“ allgemein bekannt ist, nämlich dass sie kein Organ für Mobilfunkstrahlung haben, und man hätte sie nicht extra vier Nachmittage lang für Versuche aufzubieten brauchen, nur damit das längst Bewiesene nochmals bewiesen wird.

Um eine wissenschaftlich unredliche Täuschungshandlung handelte es sich, dass dabei verschwiegen wurde, dass bei der TNO-Studie Personen der Gruppe (b) untersucht wurden, welche über gesundheitliche Beschwerden berichten, dass aber in Zürich nur mit Personen der Gruppe (c) Versuche unternommen wurden, welche lediglich angaben, sie seien fähig, elektromagnetische Strahlung zu fühlen, aber über keine gesundheitlichen Beschwerden klagten. Der Forschungsstiftung Mobilkommunikation ist aus eigener Meinungs- und Medienforschung geläufig, dass bei vielen Medienkonsumenten ein unzutreffender Eindruck von den „Elektrosensiblen“ geschaffen werden konnte, nämlich die Vorstellung von einer etwas hypochondrischen Person, die ihre Schlafstörungen und ihre Benommenheit auf den nächsten Handymast zurückführt, was sie aber nicht beweisen kann. Verschiedene Organe der Mobilfunkindustrie haben dieses negative Image der von EMISS oder Mikrowellensyndrom Betroffenen auf billige Weise gefördert, beispielsweise durch die immer wieder kolportierte Anekdote von der Antennenanwohnerin, die über Gesundheitsbeschwerden klagte, als die neue Antenne erst errichtet aber noch nicht eingeschaltet war, oder durch eine im Jahresbericht 2005 erwähnte Aktion der „Stiftung Ombudsstelle Mobilkommunikation und Umwelt“. Diese weitere brancheneigene Stiftung mit PR-Funktionen, die den Steuerbehörden gegenüber ebenfalls behauptet, in gemeinnütziger Weise tätig zu sein, beauftragte nämlich einen Ägypter namens Ibrahim Karim, die Mobilfunkstrahlung in Hemberg SG zu „harmonisieren“, und so die Gesundheitsbeschwerden von Antennenanwohnern zu beseitigen, welche diese auf die Mobilfunkbasisstation zurückgeführt hatten. Ibrahim Karim legte hierzu ein paar simple Kunststoffteile im Dorf aus, und will so die Mobilfunkstrahlung im ganzen Dorf bis zur Unschädlichkeit verändert haben. Es ist widersprüchlich, dass die Stiftung einerseits behauptet, Mobilfunkstrahlung sei ohne Einfluss auf die Anwohner von Antennenanlagen, und dass sie andererseits dennoch diesen Ibrahim Karim beauftragt hat, die Gesundheitsbeschwerden der Hemberger Bevölkerung zu beseitigen. Die Stiftung versuchte sogar, Ibrahim Karim schweizerischen Hochschulen zuzuführen, was jedoch nicht gelang, weil er nicht in der Lage war, seine obskure Methode mit den Plastikteilen plausibel zu erläutern; folgerichtig wurde seine Aktion in Medien auch als Zauberei bezeichnet. Es ist bis heute nicht klar, ob die Stiftung Mobilkommunikation und Umwelt selbst an die obskure Harmonisierung der Strahlung glaubt oder ob sie diese zur Täuschung der Dorfbevölkerung eingesetzt hat. Der Stiftungsrat dieser Stiftung wurde von der Mobilfunkindustrie mit Parlamentariern aller Regierungsparteien besetzt. Als Präsidentin konnte Bundesrätin und Wirtschaftsministerin Doris Leuthard gewonnen werden, und als Ombudsperson Ständerätin Erika Forster-Vannini (http://www.omk.ch). Dieser kleine Exkurs war geeignet zu illustrieren, dass die selben Kreise, welche einerseits an den Beweis schädigender Einflüsse elektromagnetischer Strahlung allerhöchste wissenschaftliche Ansprüche stellen, bei anderer Gelegenheit finsterem Obskurantismus frönen.

6. Anpassung der Daten an das gewünschte Ergebnis

Wenn trotz Eliminationsfilter in Form des Fragebogens dennoch Probanden zu den Versuchen gelangen, die mit medizinischen Symptomen auf die Bestrahlung reagieren, dann erhalten diejenigen ein Problem, welche dem Dogma der Mobilfunkbetreiber anhängen, welches besagt, dass es solche Personen gar nicht gibt weil es sie nicht geben darf. Das Problem kann durch Benennung „gelöst“ werden, indem man nämlich solche Fälle auch als statistische Ausreisser bzw. „outliers“ benennt. Als solche können sie nachträglich aus den Daten eliminiert oder bis zur Unkenntlichkeit geglättet werden. Auf Seite 1272 des englischen Berichts steht ohne besondere Spezifikation, dass statistische Ausreisser bei den Reaktionszeiten eliminiert wurden („With respect to reaction times, we excluded individual outliers over all sessions according to a robust rejection-estimation procedure (4*median deviation, Hampel 1985)“. Da eine solche Behandlung von statistischen Ausreissern wissenschaftlich umstritten ist, muss sie im Einzelnen offen gelegt werden, wenn nicht der Verdacht von Datenmanipulation oder -fälschung aufkommen soll. Aus verschiedenen Quellen liegen Testimonials von zwei oder drei Zürcher Probanden vor, die von starken Reaktionen nach den Versuchen berichten. Wenn es zwei bzw. drei waren, dann waren es 1,7 bzw. 2,4 Prozent der Grundgesamtheit von 117 Probanden. Ein solcher Anteil liegt genau innerhalb des von anderer Stelle geschätzten Anteils der Gruppe (a) bzw. von EMISS Betroffenen an der Gesamtbevölkerung von 0,5 bis 3 Prozent, und bestätigt diese Schätzung. Die zwei oder drei Ausreisser sind geeignet zu beweisen, was durch die Studie widerlegt werden sollte, nämlich dass es einen bestimmten Anteil der Bevölkerung gibt, dessen Gesundheit wegen der Strahlung nicht nur potenziell sondern tatsächlich geschädigt wird. Wenn die Existenz von Strahlengeschädigten nicht dogmatisch geleugnet wird, sondern im Rahmen von 0,5 bis 3 Prozent der Bevölkerung für möglich gehalten wird, dann dürfen die als „outliers“ bezeichneten Fälle nicht aus der Studie eliminiert oder geglättet werden, sondern bedürfen im Gegenteil besonderer Aufmerksamkeit und weiterer Untersuchung. – Vielleicht waren diese Ausreisser der Grund dafür, dass sich die Studie mit keinem Wort dazu äusserte, ob eine Gesundheitsschädigung aus kurzfristiger UMTS-Pilotkanal-Strahlung möglich sei. In Kenntnis der Tatsache, dass es „outliers“ gab, die nicht näher untersucht wurden, käme auch der der Industrie willfährigste wissenschaftliche Peer nicht umhin, jede Aussage zu möglichen Gesundheitsfolgen aus der Studie eliminieren zu lassen, bevor er dem Verlag des wissenschaftlichen Journals das grüne Licht zur Veröffentlichung gibt.

Die einzelnen Messdaten der Schweizer Studie werden geheim gehalten. Veröffentlicht wurde lediglich eine Zusammenfassung in Englisch mit ein paar Tabellen. Somit ist auch nicht klar, was mit den wegen „noncompliance“ von der Studie ausgeschlossenen Personen gemeint ist. Wenn nicht mehr Einzeldaten offen gelegt werden, dann ist kein neutraler Aussenstehender in der Lage nachzuprüfen, ob bei der Durchführung der Studie nicht möglicherweise Daten direkt manipuliert wurden. Es ist auch kein Aussenstehender in der Lage wirklich nachzuvollziehen, wie die statistischen Ausreisser bzw. „outliers“ und die „non-compliants“ tatsächlich behandelt wurden, und  inwiefern die Integrität der Daten durch die Behandlung der „outliers“ möglicherweise verändert wurde. Da schafft auch kein sich in der Anonymität versteckender Peer Vertrauen. Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf vollständige Offenlegung der Daten und müsste darauf drängen, denn immerhin hat die so genannte öffentliche Hand 60 Prozent bzw. CHF 432'000 an die von einer interessierten Partei in Auftrag gegebenen Versuche mit den Probanden bezahlt, und immerhin verlangt die Forschungsstiftung Mobilkommunikation vom Bund, vom Kanton Zürich und von der Stadt Zürich wegen angeblicher Gemeinnützigkeit ihres allein den Brancheninteressen dienenden Tuns Steuerbefreiung.

7. Etikettenschwindel beim „Verkauf“ der Studie

Gegenüber den Herausgebern der Environmental Health Perspectives in den USA wagten die Verfasser zu Recht nicht den Anspruch zu erheben, eine Replikation der TNO Studie erstellt zu haben, sondern bezeichneten ihre Studie dort als follow-up Studie. Das hinderte die Autoren aber nicht daran, die Studie am 6. Juni 2006  in Zürich vor der Presse als „Wiederholung“  bzw. eben doch als Replikation der TNO-Studie zu bezeichnen und als solche zu „verkaufen“ (http://www.mobile-research.ethz.ch/var/TNO/FSM_Factsheet_MK_D.pdf). Die Öffentlichkeit hat durch die öffentlichen Geldgeber eine Replikation bestellt, bezahlt und liess sich beinahe drei Jahre hinhalten, während bereits das Setup der Schweizer Studie so weit abweichend vom Setup der ursprünglichen TNO Studie festgelegt wurde, dass von einer Replikation keine Rede sein kann:

    Es konnte von vornherein kein mit der ursprünglichen TNO-Studie vergleichbares Ergebnis eintreten, weil die Bestrahlung der Probanden anders und mutmasslich viel schonender ausgebracht wurde.

    Die Gruppe der „sensiblen“ Probanden war in Zürich gänzlich anders als bei TNO zusammengestellt, so dass ein Vergleich verunmöglicht wurde.

    Die Gruppe der Zürcher „Sensiblen“ wurde so selektiert, dass als einziges Ergebnis des Versuchs von vornherein feststand, was schon lange bekannt ist, nämlich dass der Mensch kein Sinnesorgan für Mobilfunkstrahlung hat.

    Die Selektion der Zürcher Probanden war so, dass möglichst ausgeschlossen wurde, wer bei Bestrahlung gesundheitlich relevante medizinische Symptome entwickeln könnte.

    Wer dennoch Symptome entwickelte, wurde als statistischer Ausreisser bezeichnet und als solcher nachträglich eliminiert oder geglättet.

Dieses alles war aber nur für die Eingeweihten voraussehbar, denn das Setup wurde im Voraus nur rudimentär und teilweise unzutreffend offen gelegt, und seine Besonderheiten konnten nur nachträglich und auch dann nur mit einem gewissen Aufwand erkannt  werden.

Bei der Schweizer Studie handelt es sich um eine handwerklich möglicherweise sogar gut gemachte Studie, die aber inhaltlich wegen irrelevanter Fragestellung ohne wirkliche Substanz bleiben musste. Die Frage, die am meisten interessiert hätte, nämlich ob UMTS-Strahlung gesundheitliche Auswirkungen hat, wurde gar nicht erst gestellt. Die einzige Frage, die gemäss Setup wirklich gestellt und beantwortet wurde, war, ob 45 Minuten Strahlung vom Pilotkanal von UMTS-Basisstationen analoge Auswirkungen hat wie 20 Minuten viel stärkere Strahlung von GSM Handys, nämlich leichte Wirkungen von Adrenalin auf Wohlbefinden und Reaktionsgeschwindigkeit. Diese Frage konnte für die meisten Probanden verneint werden, und die zwei oder drei in gesundheitlicher Hinsicht wirklich interessanten statistischen Ausreisser wurden – statt sie näher zu untersuchen – mit statistischen Methoden eliminiert oder geglättet. Nichts wäre für die Mobilfunkindustrie kostspieliger und darüber hinaus peinlicher, als wenn mit einer von ihr selbst mit gesponserten Studie Personen mit gesundheitlicher Schädigung aus Mobilfunkstrahlung bzw. mit EMISS gefunden würden, denn die Mobilfunkindustrie kann aus ihrer wirtschaftlichen Sicht nichts anderes wollen, als dass die von ihr finanzierten Studien ihre Behauptung stützen und aufrecht erhalten, dass derartige „afflictions“ oder „health complaints“ überhaupt nicht wirklich existieren, denn anderenfalls wäre sofort mit wissenschaftlich begründbaren Schadenersatzklagen der Betroffenen zu rechnen.

Die Frage, ob der Mensch elektromagnetische Strahlung mit einem Sinnesorgan fühlen kann, war schon im voraus beantwortet, denn der Mensch hat nur seine fünf Sinne. Die Frage nach dem Strahlenfühlen von UMTS Pilotkanal Bassistationsstrahlung ist etwa so relevant wie die Frage an ein Opfer radioaktiver Verstrahlung, ob es die radioaktive Strahlung gefühlt habe. Natürlich kann niemand radioaktive Strahlung fühlen, weil niemand ein entsprechendes Sinnesorgan hat, was aber die Strahlung nicht daran hindert, Gesundheitsschädigung bis hin zum Tod herbeizuführen. Ein wichtiger Unterschied zwischen der radioaktiven und der nichtionisierenden elektromagnetischen Strahlung ist, dass sich die mit Adrenalin assoziierten Wirkungen nichtionisierender elektromagnetischer Strahlung innerhalb von Sekundenfrist einstellen können. Deshalb tendieren die davon Betroffenen dazu, die Wahrnehmung physiologischer Wirkungen mit  direkter sinnlicher Wahrnehmung der Strahlung zu verwechseln. Aber mit der Frage nach dem UMTS-Pilotkanal-Strahlenfühlen sollte in Wirklichkeit flüchtigen Lesern nur suggeriert werden, dass es gesundheitliche Wirkungen von UMTS Strahlung nicht geben kann.

Da die Studie keine Aussage über gesundheitliche Auswirkungen der untersuchten Bestrahlung machen konnte, weil solche überhaupt nicht Untersuchungsgegenstand waren, musste dem heimischen Publikum trotzdem eine Relevanz der Studie vorgegaukelt werden. Zu diesem Zweck wurden Aussagen gemacht zu Dingen, die gar nicht Gegenstand der Studie waren, nämlich: „Es können keine Rückschlüsse auf das Gesundheitsrisiko durch UMTS-Handys oder durch eine langfristige, chronische Bestrahlung durch UMTS Basisstationen gezogen werden.“ An diesem Satz mutet seltsam an, dass überhaupt von UMTS-Handys die Rede ist, wo doch für die Bestrahlung der Probanden nur Strahlung wie von Basisstationen („Masten“) und nicht von Mobiltelefonen verwendet worden war, und von langfristiger Bestrahlung durch UMTS Basisstationen, wo doch nur während 45 Minuten bestrahlt wurde. Diese Aussagen hatten wohl nur den Zweck, dass sie von den flüchtigen unter den Journalisten aus dem Zusammenhang gerissen würden, und dass diese sinngemäss verbreiten, die Studie hätte erwiesen, dass UMTS-Handys und UMTS-Basisstationen gesundheitlich unbedenklich seien. Hätten die Autoren ein solches inhaltliches Verdrehen ihrer Botschaft nicht gewollt und verhindern wollen, dann hätten sie einfach im gleichen Satz ausgedrückt, dass diese Rückschlüsse darum nicht gezogen werden können, weil die Studie diese Fragen gar nicht untersucht hat.

Die Schweizer Autoren haben die Finanzierung ihrer Studie offen gelegt: Nur 40 % der Kosten wurden von drei am Ergebnis interessierten Mobilfunkunternehmen finanziert, gegenüber 60 % von acht staatlichen Organen. Wer diesen Finanzierungsschlüssel liest, der erhält den Eindruck, dass hier eine unabhängige Untersuchung der dringenden Frage nach gesundheitlichen Auswirkungen von UMTS gemacht werde.  Die Wirklichkeit ist aber gänzlich anders, denn die nur angeblich gemeinnützige „Forschungsstiftung Mobilkommunikation“ der Mobilfunkindustrie hat ihre eigenen Leute mit der Forschung beauftragt. Daran ändert auch die Behauptung nichts, dass ein Forschungsvertrag die völlige Unabhängigkeit des Forschungskonsortiums gewährleistet habe. Der in den Einzelheiten geheim gehaltene Forschungsauftrag der Mobilfunkbetreiber, der praktisch ein Vertrag der Stiftung mit ihren eigenen Organen war, hat die eigentlich interessierende Frage nach den gesundheitlichen Wirkungen von UMTS sorgfältig ausgeklammert. Die Mehrheit des beauftragten dreiköpfigen Forschungskonsortiums ist Organmitglied der Stiftung: Der Konsortiumsleiter PD Peter Achermann ist Mitglied des wissenschaftlichen Ausschusses der Stiftung und Prof. Niels Kuster ist Mitglied des Stiftungsrats. Wenn sich Beamte oder Richter in einer bestimmten Frage in einer vergleichbaren Abhängigkeit von einer interessierten Partei befänden, dann müssten sie sofort wegen Befangenheit vom Auftrag zurücktreten. Im Bereich der „Bioelectromagnetics“ ist die Forschung  kostspielig, weil sie personalintensiv ist und teure technische Infrastruktur erfordert, und es gibt nur sehr wenige auf „Bioelectromagnetics“ spezialisierte Journale mit Peer Review, welche Voraussetzung sind für die wissenschaftliche Anerkennung. In diesem Bereich wäre ein allgemein anerkannter Spitzenwissenschafter, der nicht direkt oder indirekt von der Finanzierung durch die Mobilfunkindustrie abhängig ist, ein so seltener Vogel wie ein weisser Rabe, womit sich der Kreis schliesst: Nachdem die weltweite Mobilfunkindustrie praktisch alle Forscher und Forschungsinfrastruktur im Bereich „Bioelectromagnetics“ sponsert, kann sie, selbst wenn sie wollte, keine wirklich unabhängige Forschung mehr in Auftrag geben, und alle Forschung in diesem Bereich wirkt folglich korrupt, verfälscht oder zumindest suspekt und ist für die Verteidigung der dogmatisch vertretenen Auffassungen der Auftraggeberwegen Befangenheit zunehmend unglaubwürdig und unbrauchbar.

8. Die Moral von der Geschicht

Der Fachwissenschafter hat einen riesigen Vorsprung gegenüber dem Laien, aber auch gegenüber dem aussen stehenden Wissenschafter, wenn die Aussenstehenden eine Studie kritisch analysieren wollen. Zunächst ist heute meist vom Englischen zu übersetzen, bzw. die deutsche Übersetzung ist kritisch mit dem Original zu vergleichen. In einem zweiten Schritt muss der Fachjargon in normale wissenschaftliche oder Alltagssprache übersetzt werden. In einem dritten Schritt muss der Laie von vertrauenswürdigen Fachleuten über den wissenschaftlichen und praktischen Stellenwert der Aussagen der Studie aufgeklärt werden. Im Prinzip sind dieses die Aufgaben der Wissenschaftsjournalisten. Dass diese auch nicht über alle Zeit der Welt verfügen, dass sie auch gerne auf Sekundärliteratur zurück greifen, ist vielen Fachwissenschaftern bekannt. Dieses erleichtert es den Fachwissenschaftern zu steuern, wie das gemeine Publikum ein Phänomen wahrnehmen und deuten soll.

Aus dem Schulbeispiel „Schweizer Studie zum Einfluss von UMTS-Mobilfunkfeldern auf das Wohlbefinden und kognitive Funktionen bei elektrosensiblen und nicht-elektrosensiblen Personen“ kann die Lehre gezogen werden, dass bei der Überprüfung von Studien zu Schadimmissionen die Journalisten, deren beruflicher Ehrgeiz über den Verlautbarungsjournalismus hinausgeht, und die interessierten Laien, aber auch gerichtliche und andere Gutachter, und eigentlich allen voran auch die Peers der wissenschaftlichen Journale, Fragen stellen sollten wie:

    Welches ist der Stand des Wissens zur Immission? Welches ist das Wissen und welches sind alle gängigen Vermutungen zur möglichen Schädlichkeit? Welches ist das Wissen zu allen Mechanismen bzw. Ursache-Wirkungs-Ketten möglicher Schädigung?

    Gibt es auch positive Wirkungen der Immission? Wie sind diese zu werten?

    Gibt es Grenzwerte, Dosis-Wirkungs-Beziehungen, eine tödliche Dosis? Gibt es für verschiedene Schadsymptome unterschiedliche Schwellenwerte der Immission?

    Wie breitet sich die Immission aus? Gibt es Bevölkerungsteile die mehr oder die weniger und solche die gar nicht betroffen sind?

    Gibt es auch epidemiologische Studien? Liegen Schilderungen von Einzelfällen von Schädigungen vor?

    Gibt es Informationen aus nichtoffiziellen Medien, wie Internetseiten und –foren? Gibt es dissidente Wissenschafter bzw. wie geht die wissenschaftliche Community mit abweichenden Meinungen um? Welche kritischen Fragen eröffnen sich aus solchen Quellen?

    Wer hat die Studie finanziert? Welches Interesse hat der Sponsor an der Studie? Bestehen weitere Abhängigkeiten der Forscher von interessierten Kreisen? Gibt es einen Filz von Wirtschaft und Wissenschaft? Oder gehören zum Filz sogar auch Fach- und Massenmedien? Oder auch staatliche Gesetzgebungs-, Bewilligungs- und Kontrollorgane?

    Gibt es Anzeichen für doublespeak der Forscher gegenüber Auftraggebern und Publikum?  

    Wer hat die Studie überprüft und publiziert? Welches sind die Interessenbindungen des wissenschaftlichen Gutachters bzw. Peers und des Journals?

    Wie lautete die Fragestellung der Studie? Wofür ist die Fragestellung relevant? Wie lauten die direkten Antworten auf die Fragestellung? Gibt es Antworten ohne Frage oder Fragen ohne Antwort? Gibt es Antworten zwischen den Zeilen? Wie sind Aussagen zu werten, welche nicht zur direkten Fragestellung erfolgten?

    Gibt es Ko-Auslöser von Symptomen? Welchen Einfluss können weitere Faktoren haben? Wurden diese durch das Setup wirksam ausgeschlossen?

    Wie wurden die Probanden selektiert? War die Empfindlichkeit der Probanden durchschnittlich oder überdurchschnittlich oder unterdurchschnittlich? Waren die Probanden vorgeschwächt oder sensibilisiert auf die Immission?

    Welcher Immission wurden die Probanden ausgesetzt? Ist die im Labor angewandte Immission für die reale Welt repräsentativ und relevant?

    Mit welcher Präzision wurden die Daten erhoben? Welchen Einfluss kann der Zufall auf die Ergebnisse haben, bzw. wie signifikant sind die Ergebnisse? Mit welchem Aufwand wurden die Daten nachbearbeitet?

    Wie wurden die statistischen Ausreisser behandelt? Könnten Folgerungen oder Rückschlüsse aus den Ausreissern gezogen werden? Wurden diese gezogen? Wie sind die non-performers definiert?

    Liegen genügend Angaben vor, so dass die Studie exakt replizierbar wäre, bzw. ist die Studie eine exakte Replikation?

Die Fragen sind sorgfältig zu stellen und die Antworten sind kritisch zu überprüfen, denn die interessierte Industrie hat zur Abwehr ihrer Haftung für Gesundheitsschäden aus Mobilfunkstrahlung einen quantitativ und qualitativ überragenden Propagandaapparat aufgestellt, von welchem das interessengebundene Forschungssponsoring nur ein Teilelement ist:

    Der weltweite Aufwand für Forschungssponsoring in Bioelectromagnetics beträgt EUR 100 Mio.

    Im weltweit führenden Verein Bioelectromagnetics Society sind die 500 wichtigsten Wissenschafter des Fachs zusammengefasst; die Herausgabe von dessen Newsletter besorgt beispielsweise ein Angestellter von Motorola.

    Allein in Europa befassen sich mindestens 300 Wissenschafter mit der Produktion von Mobilfunkstudien.

    Bis heute wurden mehrere tausend von der Industrie finanzierte Studien publiziert.

    Jährlich wird mindestens eine dreistellige Zahl neuer, durch Peers begutachteter Studien produziert. Einige davon bestätigen bestimmte Effekte der Strahlung, die Verfasser stellen aber regelmässig die gesundheitliche Relevanz der Effekte in Abrede.

    Die Branche stattet ihre eigene schweizerische Forschungsstiftung Mobilkommunikation mit einem Jahresbudget von CHF 800'000 aus. Die Stiftung beschäftigt 2 Vollzeitmitarbeiter, sie finanziert ständig durchschnittlich 5 Studien, mit welchen während durchschnittlich 2 Jahren durchschnittlich je 6 Wissenschafter beschäftigt werden.

Die Branche steuert und lenkt die ärztliche Diagnostik von Patienten, welche strahlungsbedingte Symptome aufweisen, landesweit mit dem Ziel, dass es möglichst nicht eine einzige ärztliche Diagnose gibt, welche als Krankheitsursache oder auch nur als Auslöser von Symptomen die Strahlung nennt. Die Strategie ist so simpel wie unethisch und heisst: Anstiftung der Ärzteschaft zur medizinischen Umdiagnostizierung der Strahlenkranken als psychisch krank, und mithin Anstiftung zur Falschbeurkundung in Arztzeugnissen und Gutachten. Wenn die Krankentaggeld- und die Invaliditätsversicherungen für  nur angeblich psychische Erkrankungen zahlen, dann ist die Krankheitsursache dem Anschein nach im Patienten selbst begründet, und dann ist erstens der Patient finanziellruhig gestellt, zweitens ist ein Regress gegen Verursacher gesundheitsschädlicher Immissionen ausgeschlossen, und drittens bleibt der der Schaden zu Unrecht am Krankheits- und Invaliditätsversicherer hängen. Die Anzahl solcher Fälle dürfte schwierig zu eruieren sein, da in den entsprechenden Arztzeugnissen allgemeine psychiatrische Krankheiten aufgeführt sind. Eine Anstiftung zu solcher Falschbeurkundung, die mit  der Abwendung finanzieller Ansprüche gegen sich selbst motiviert ist, könnte strafrechtlich relevant sein.

    Der Branchenverein Forum Mobil hat 4 Mitarbeiter und ist Herausgeber der medizinischen Propagandazeitschrift „Frequentia“, die an 8'000 Schweizer Ärzte versandt wird - Tenor der getarnten Propagandaschrift: Bei Patienten mit elektromagnetisch begründeten gesundheitlichen Beschwerden soll grundsätzlich eine psychische Störung gesucht und diagnostiziert werden.

    Die Swisscom Mobile AG beauftragt einen wissenschaftlichen Schriftsteller wie „Prof.“ Dr. Reinhold Berz, und verteilt dessen Buch „Krank durch Mobilfunk?“ an die Ärzte und an medizinische Gutachter – Tenor dieser getarnten Propagandaschrift: Von elektromagnetischer Strahlung gibt es, wenn überhaupt, dann nur geringfügige Befindlichkeitsstörungen, die aber ausnahmslos ohne Krankheitswert sind. Gutachter für Sozialversicherer und für Gerichte begründen ihre Schlüsse, die Symptome seien anders als durch Strahlung verursacht oder die Angaben der Patienten seien unglaubwürdig, allein mit Zitaten aus dem Buch.

    Die Swisscom Mobile AG sponsert offizielle Psychiaterweiterbildung, bei welcher durch Funktionäre der ärztlichen Standesorganisation die medizinischen Auswirkungen von Strahlung bestritten werden –  Tenor der Veranstalter: Die Schilderungen der Patienten entspringen psychischer Krankheit.

Die Mobilfunkbetreiber scheinen ihrer allgemeinen Indoktrination der Ärzteschaft nicht vollumfänglich zu vertrauen, denn sonst würden sie sich nicht auch noch direkt mit der Behandlung von Patienten befassen – dieses trotz ihrer Behauptung, Mobilfunkstrahlung und Krankheit hätten keinen Zusammenhang:

    Die brancheneigene schweizerische Stiftung Mobilkommunikation und Umwelt (www.omk.ch) unter dem Präsidium von Bundesrätin Leuthard hat 4 Mitarbeiter und wirft ihr Netz mit ihrer „Ombudsstelle“ und ihrem eigenen medizinischen „Beratungsdienst“ in Luzern nach allen Personen aus, welche ihre Gesundheitsschäden auf Funkstrahlung zurückführen; den so erreichten Personen wird eingeredet, es handle sich bei ihren Symptomen um Einbildung, bzw. sie werden einem der brancheneigenen  Stiftung nahe stehenden Psychiater zugeführt.

    Die Swisscom AG kontrolliert über ihren dominierenden Aktienanteil von 40 % Anteil an der Medgate Holding AG die medizinische Beratungsplattform medgate.ch mit 30 Ärzten. Bereits drei Millionen Schweizer bzw. 40 % der Bevölkerung haben über ihre Krankenkassen und über die hauptsächlich durch Inserate finanzierte Zeitschrift Beobachter freien Zugang zur medizinischen Fernberatung. Die Frage ist berechtigt, weshalb diese Beteiligung in der „Arztbranche“ die einzige branchenfremde Aktivität der ansonsten diszipliniert investierenden Swisscom AG ist; an sich wären auch Beteiligungen an beliebigen Callcenters gleich nahe liegend.

    Leiter grosser spezialisierter Universitätskliniken, an welche sich Patienten mit strahlungsbedingten Symptomen wenden können, sind in die brancheneigenen Stiftungen als Funktionäre und Sponsoringempfänger eingebettet – in ihren Kliniken werden solche Patienten nicht in nahe liegender Weise beispielsweise neurologisch untersucht, sondern umgehend einer psychiatrischen Behandlung gegen angebliche schwere Wahnerkrankung zugeführt.

Der Einfluss der Mobilfunkindustrie auf meinungsbildende Medien und auf die Politik ist beträchtlich:

    In den Stiftungsräten und -gremien sind eine Bundesrätin, zahlreiche Parlamentarier, Chefbeamte und Professoren eingebettet.

    Das jährliche Werbevolumen für Mobilfunk beträgt in der Schweiz circa CHF 100 Mio.

    Die Swisscom verteilt in der Schweiz nach Migros und Coop das grösste Konzern-Werbebudget.

    Vom Werbevolumen fliesst der Grossteil Massenmedien mit Textredaktionen zu, die folgerichtig vermeiden, über gesundheitliche Strahlenfolgen zu recherchieren, sondern nur oberflächlich über einige Proteste gegen Antennenbau berichten. Die hier als Schulbeispiel besprochene Schweizer Studie wurde von der Tagespresse praktisch einhellig als Entwarnung für den UMTS-Antennenbau beschrieben, obwohl sie mögliche Langfristfolgen für Antennenanwohner überhaupt nicht untersucht hat. Denn in der Studie steht der nicht weiter kommentierte schwammig-missverständliche Satz: „Es können keine Rückschlüsse auf das Gesundheitsrisiko … durch eine langfristige, chronische Bestrahlung durch UMTS Basisstationen gezogen werden“.

Nur die Produkt- und Betriebshaftpflichtversicherer befassen sich nicht mehr mit dem Thema, denn sie erachten die Haftpflichtrisiken für Gesundheitsschäden seit einigen Jahren als nicht versicherbar. Und genau das ist der Grund, weshalb die Mobilfunkbranche potenzielle Haftpflichtansprüche mit den erwähnten extrem aufwendigen und teilweise telekommunikationsfremden Aktivitäten selbst abwehrt, welche ohne diese Erklärung als unverhältnismässige und unmotivierte Geldverschwendung erscheinen müssten.

Zum Abschluss wollen wir die Angaben der Mobilfunkbetreiber bzw. ihrer wissenschaftlichen und medizinischen Helfer zur angeblich rein psychischen Klassierbarkeit der Gesundheitsbeschwerden aus elektromagnetischer Strahlung einem kleinen Plausibilitätstest unterziehen. Eine Studie der Universität Bern im Auftrag des BUWAL fand, dass im Jahr 2004 5 % aller Schweizer gesundheitliche Beeinträchtigungen, unter denen sie leiden, das heisst hauptsächlich Stresssymptome, auf die elektromagnetische Strahlung zurückführen (http://www.umwelt-schweiz.ch/imperia/md/content/luft/nis/gesundheit/repraesentative-emf-befragung.pdf). Eine Studie der wissenschaftlichen Institute Katalyse, Infas und Rheingold im Auftrag des deutschen Bundesamts für Strahlenschutz BfS bestätigte diese Grössenordnung, indem nämlich 6 % der Deutschen angaben, unter gesundheitlichen Beschwerden bzw. praktisch unter den gleichen Symptomen wie die Schweizer zu leiden, die sie ebenfalls auf elektromagnetische Strahlung zurückführen. Die deutsche Studie wurde durch ein ganzes Aufgebot an Psychotherapeuten tiefenpsychologisch vertieft. Das Ziel war, die Betroffenen darauf hin zu analysieren, wie man sie am wirksamsten mit gezielter Kommunikation erreichen kann. Es war zu erwarten, dass sich unter den zahlreichen Personen, die sich selbst als von der Strahlung beeinträchtigt bezeichneten, auch einige befinden, die an einer bereits lange bestehenden Wahnerkrankung leiden, und die sich halt zusätzlich zu den übrigen Wahnvorstellungen auch Strahlenangriffen ausgesetzt glauben, die jemand vorsätzlich und mit schlechter Absicht gegen sie persönlich richte. Abgesehen von diesen bedauernswerten Kranken war die ganz grosse Mehrheit derjenigen, welche von der Psychiatertruppe jeweils zu Hause aufgesucht wurden, psychiatrisch unauffällig und mithin psychisch gesund (www.katalyse.de/fp/archiv/raumluft/files/AbschlussberichtElektrosensible.pdf). Woher nehmen sich also die Mobilfunkbetreiber bzw. ihre Stiftung Mobilkommunikation und Umwelt die Freiheit (oder Frechheit), 5 % der Bevölkerung oder circa 370'000 Schweizer (entsprechend der Einwohnerzahl von Zürich) mit angeblicher psychischer Erkrankung zu diffamieren, bzw. im Einzelfall jeden einzelnen, sobald dieser konkret äussert, dass ein bestimmter Teil seiner gesundheitlichen Beschwerden einen möglichen Zusammenhang mit elektromagnetischer Strahlung haben könnte? Wahrscheinlich weil dieses der einfachste Weg ist, sie zum Schweigen zu bringen, denn dieses Argument verschlägt wohl den meisten zunächst die Sprache. Wie sagt nicht der Amerikaner: „If you can’t dazzle them with brilliance, baffle them with bullshit“, oder „Wenn du sie nicht mit Brillanz blenden kannst, mach sie mit Unsinn sprachlos“. Bezeichnend und typisch für solche Studien ist, dass in der deutschen Vertiefungsstudie nicht darauf hingewiesen wurde, dass die schwer Wahnkranken überhaupt nur eine sehr kleine Minderheit sind, und dass deren Vorstellung, sie würden vorsätzlich und gezielt mit Strahlenwaffen angegriffen, eben auch bei weitem nicht deren einzige Verfolgungsidee ist. Und nun zurück zur Plausibilitätsfrage: Es erscheint in keiner Weise plausibel, dass überhaupt so viele Schweizer in genau dieser von der Industrie suggerierten Weise psychisch gestört sein können, und dieses auch noch genau seit die elektromagnetische Strahlung verstärkt verbreitet wird. Da die angegebenen Symptome in allen Ländern ähnlich sind, erscheint viel eher plausibel und wahr, dass elektromagnetische Strahlung eben doch bei einer Minderheit der Bevölkerung gesundheitlich relevante Symptome auslöst, die man unter den Begriffen Mikrowellensyndrom oder elektromagnetisch induziertes Stresssyndrom EMISS zusammenfassen könnte.